Entwurf des Sächsischen Doppelhaushalts: unsere Einordnung

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Der Entwurf des sächsischen Doppelhaushalts 2025/26 steht fest – und mit ihm die Frage: Was bedeutet das für die Jugendverbandsarbeit im Freistaat? Während die Landesregierung betont, dass der Bereich Jugend nicht von expliziten Kürzungen betroffen ist, zeigt ein genauer Blick auf die Zahlen, dass stagnierende Fördermittel in Zeiten steigender Kosten faktisch einer Kürzung gleichkommen. Dennoch schützt der sog. “Schonbereich Jugend” überweigend vor zusätzlichen Kürzungen - dazu sagen wir Danke!

Jugendpauschale: Ein Nullsummenspiel

Die Jugendpauschale ist ein zentrales Förderinstrument für Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit sowie den Kinder- und Jugendschutz auf kommunaler Ebene. Der neue Haushalt sieht hier eine Förderung von 15 Millionen Euro pro Jahr vor – gleichbleibend im Vergleich zu den vorherigen Haushaltsjahren. Was auf den ersten Blick stabil erscheint, ist in Wirklichkeit eine Belastung für viele Träger: Die Jugendpauschale liegt weiterhin unter dem Niveau von 2009/10. Außerdem werden die Inflation und steigende Tariflöhne nicht berücksichtigt.

Die Jugendpauschale muss dringend überarbeitet und den realen Kosten angepasst werden. Eine sogenannte „Ausgleichsrichtlinie“ könnte kurzfristig Abhilfe schaffen.

Förderung der überörtlichen Jugendhilfe: Stagnation trotz steigender Kosten

Auch die Mittel für die überörtliche Jugendhilfe bleiben unverändert bei 7,67 Millionen Euro jährlich. Dies bedeutet, dass:
✔️ der Status quo der Jugendverbandsarbeit auf Landesebene weiterhin finanziert wird.
❌ Steigende Kosten jedoch nicht berücksichtigt sind.
❌ Projekte, Angebote und wichtige Themen der freien Träger reduziert werden müssen.

Kostenfreie Jugendleiterausbildung: Ein wichtiges Signal

Positiv hervorzuheben ist die Fortführung der kostenfreien Ausbildung für Jugendleiter*innen. Hiermit soll sichergestellt werden, dass junge Menschen ohne finanzielle Hürden Verantwortung in der Jugendarbeit übernehmen können. 

Wichtig ist uns dabei, dass für alle Ehrenamtlichen, die Verantwortung für junge Menschen übernehmen, die Grundqualifizierung kostenfrei gestaltet wird und das unabhängig davon, ob sie ihre Ausbildung bei einem örtlichen oder überörtlichen Träger absolvieren 

Flexibles Jugendmanagement: Mehr Beteiligung in ländlichen Regionen

Ein Lichtblick ist die Aufstockung der Mittel des Flexiblen Jugendmanagement (FJM) als ein zentrales Instrument zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum, das möglichst in allen Landkreisen des Freistaats Sachsen implementiert und langfristig gesichert werden soll. Die zusätzlichen 350.000 Euro sollen dazu beitragen, das FJM auf zwei weitere Landkreise auszuweiten.

Diese Investition ist ein wichtiger Schritt, um jungen Menschen auch außerhalb der Städte Beteiligung und Engagement zu ermöglichen.

Investitionen in Jugendhilfe-Einrichtungen: deutliche Kürzungen

Besorgniserregend ist hingegen der massive Einschnitt bei den Investitionen:
❌  Überörtlicher Bedarf: Von 4,7 Millionen Euro auf 2 Millionen Euro gekürzt.
✔️ Örtlicher Bedarf: Bleibt bei 900.000 Euro, mit geringer Perspektive für Folgejahre.

Diese Mittel sind entscheidend für die (klimafreundliche) Sanierung und den barrierefreien Umbau von Jugendzentren und Bildungseinrichtungen. Ohne ausreichende Investitionen drohen viele dieser Orte zu verfallen.

Fazit: Generationengerechtigkeit braucht Investitionen

Der „Schonbereich Jugend“ ist ein wichtiges politisches Signal und in krisenhaften Zeiten ein erster Schritt in die richtige Richtung. Um ihn auch langfristig wirksam werden zu lassen, braucht es absehbar mehr – das zeigen Handlungsempfehlungen zahlreicher sächsischer Studien und Berichte, die anstehende flächendeckende Umsetzung der inklusiven Jugendhilfe oder die gewaltigen gesellschaftlichen Herausforderungen insgesamt. Es braucht finanzielle Bemühungen, um den Bedarfen der jungen Menschen als künftig Tragende und Gestaltende einer lebenswerten Gesellschaft gerecht zu werden. Und auch, um sie in ihrer Entwicklung dahin durch eine qualitativ hochwertige Jugend- und Jugendverbandsarbeit zu begleiten und zu unterstützen.

💬 Wie generationengerecht ist es, wenn…
❌ Kinder und Jugendliche in maroden Gebäuden lernen?
❌ sie wegen ausfallender Busverbindungen keine Freizeitangebote erreichen?
❌ Jugendclubs schließen und Gruppenstunden ausfallen?

Investitionen in Jugendverbandsarbeit und junges Engagement, Bildung und Teilhabe sind nicht nur pädagogisch, sondern auch gesellschaftspolitisch essenziell – und sie zahlen sich langfristig aus.

Die Jugendverbände in Sachsen sind bereit, gemeinsam mit der Politik Lösungen zu finden!

Mehr Zahlen, mehr konkrete Vorschläge und mehr Inhalt hier:

Die gesamte Einordnung zum Download (.pdf)

Ein alternativer Doppelhaushaltsvorschlag inkl. Berechnungsgrundlagen (.pdf)

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